Mautsysteme in Deutschland und Österreich im Vergleich: Was Autofahrer wissen müssen

Markus Brandstätter

Markus Brandstätter

27 Juni 2026

8 Min. Lesezeit
Mautsysteme in Deutschland und Österreich im Vergleich: Was Autofahrer wissen müssen

Mautsysteme in Deutschland und Österreich im Vergleich: Was Autofahrer wissen müssen

Wer regelmäßig zwischen Deutschland und Österreich pendelt oder einen Urlaub in den Alpen plant, kommt an einem Thema nicht vorbei: Mautgebühren. Beide Länder verfolgen grundlegend unterschiedliche Ansätze bei der Erhebung von Straßengebühren – und wer die Regeln nicht kennt, riskiert empfindliche Bußgelder. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles, was Sie über die Mautsysteme in Deutschland und Österreich wissen müssen, welche Kosten auf Sie zukommen und wie Sie sich optimal auf Ihre Reise vorbereiten.


Das Mautsystem in Deutschland: LKW-Maut und Pkw-Freiheit

Deutschland ist eines der wenigen europäischen Länder, in denen Pkw-Fahrer keine Maut auf Autobahnen und Bundesstraßen zahlen müssen. Die einst geplante Pkw-Maut (Infrastrukturabgabe) wurde 2019 vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) als diskriminierend eingestuft und gestoppt. Seitdem fahren Autofahrer in Deutschland weiterhin kostenfrei auf dem gesamten Autobahnnetz.

Die LKW-Maut in Deutschland

Anders sieht es für den Güterverkehr aus. Seit 2005 erhebt Deutschland eine streckenabhängige Maut für Lkw ab 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Seit dem 1. Dezember 2023 wurde die Mautpflicht auf Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen technisch zulässigem Gesamtgewicht ausgeweitet. Die wichtigsten Fakten:

    • Betreiber: Toll Collect GmbH
    • Erfassung: Automatisch über On-Board-Units (OBU), manuell über Mautstellen-Terminals oder online
    • Berechnung: Streckenabhängig, basierend auf Achszahl, Emissionsklasse und Gewichtsklasse
    • CO₂-Aufschlag: Seit Dezember 2023 wird ein zusätzlicher CO₂-Aufschlag von 200 Euro pro Tonne CO₂ erhoben
    • Geltungsbereich: Alle Bundesautobahnen und Bundesstraßen
    Wichtig: Handwerkerfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen sind bis zum 31. Dezember 2024 von der Mautpflicht befreit, sofern sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

    Ausnahmen und Sonderregelungen

    Nicht alle Fahrzeuge unterliegen der deutschen Mautpflicht. Folgende Fahrzeuge sind ausgenommen:

    • Fahrzeuge der Polizei, Feuerwehr und des Katastrophenschutzes
    • Fahrzeuge der Streitkräfte
    • Linienbusse im öffentlichen Personennahverkehr
    • Land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge
    • Emissionsfreie Fahrzeuge (bis 4,25 Tonnen dauerhaft, darüber bis Ende 2025)

    Das Mautsystem in Österreich: Vignette und Sondermaut

    Österreich verfolgt einen komplett anderen Ansatz als Deutschland. Hier gilt eine generelle Mautpflicht für alle Fahrzeuge auf Autobahnen und Schnellstraßen. Das System basiert auf zwei Säulen: der Vignette und der Sondermaut für bestimmte Streckenabschnitte.

    Die österreichische Vignette

    Die Vignette ist eine zeitabhängige Gebühr, die für die Nutzung von Autobahnen und Schnellstraßen in Österreich erforderlich ist. Seit 2018 gibt es neben der klassischen Klebevignette auch die digitale Vignette, die online erworben werden kann.

    Vignettenpreise 2024 für Pkw (bis 3,5 Tonnen):

    | Gültigkeitsdauer | Preis |
    |—|—|
    | 1-Tages-Vignette | 8,60 € |
    | 10-Tages-Vignette | 11,50 € |
    | 2-Monats-Vignette | 28,90 € |
    | Jahresvignette | 96,40 € |

    Die Preise werden jährlich angepasst. Für Motorräder gelten reduzierte Tarife.

    Vorteile der digitalen Vignette

    Die digitale Vignette hat die Art und Weise, wie Autofahrer ihre Maut in Österreich bezahlen, revolutioniert. Hier die wichtigsten Vorteile:

    • Bequemer Online-Kauf über die Website der ASFINAG oder die App
    • Kein Kleben an der Windschutzscheibe erforderlich
    • Übertragbar bei Fahrzeugwechsel (innerhalb der Gültigkeitsdauer)
    • Sofort gültig bei Kauf über die ASFINAG-App (bei Online-Kauf gilt eine Konsumentenschutzfrist von 18 Tagen)
    • Erhältlich auch an ADAC-Geschäftsstellen und Tankstellen
    Tipp: Kaufen Sie die digitale Vignette mindestens 18 Tage vor Reiseantritt, wenn Sie sie online erwerben. Nur so ist sie bei Ihrer Abfahrt bereits gültig. Alternativ nutzen Sie die ASFINAG-App für sofortige Gültigkeit.

    Sondermautstrecken in Österreich

    Zusätzlich zur Vignette fallen auf bestimmten Streckenabschnitten Sondermautgebühren an. Diese betreffen vor allem Tunnel und Passstraßen in den Alpen:

    • Brenner Autobahn (A13): ca. 11,50 € (einfache Fahrt)
    • Tauern Autobahn (A10): ca. 13,50 € (einfache Fahrt)
    • Karawanken Autobahn (A11): ca. 7,90 € (einfache Fahrt)
    • Arlberg Schnellstraße (S16): ca. 11,00 € (einfache Fahrt)
    • Pyhrn Autobahn (A9): ca. 7,00 € (einfache Fahrt)
    Diese Gebühren werden separat erhoben und sind nicht in der Vignette enthalten!

    Direkter Vergleich: Deutschland vs. Österreich

    Um die Unterschiede auf einen Blick zu erfassen, haben wir die wichtigsten Merkmale beider Systeme gegenübergestellt:

    | Merkmal | Deutschland | Österreich |
    |—|—|—|
    | Pkw-Maut | Keine | Ja (Vignettenpflicht) |
    | Lkw-Maut | Ja (ab 3,5 t) | Ja (GO-Box, streckenabhängig) |
    | System | Streckenabhängig (Toll Collect) | Zeitabhängig (Vignette) + Sondermaut |
    | Digitale Lösung | OBU für Lkw | Digitale Vignette + GO-Box |
    | Bußgeld bei Verstoß | Bis zu 20.000 € (Lkw) | Ab 120 € (Pkw ohne Vignette) |
    | Geltungsbereich | Autobahnen + Bundesstraßen | Autobahnen + Schnellstraßen |

    Die GO-Box für Lkw in Österreich

    Für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gilt in Österreich ein eigenes System: die GO-Box. Dieses Gerät wird an der Windschutzscheibe befestigt und erfasst automatisch die gefahrenen Mautabschnitte. Die Abrechnung erfolgt streckenabhängig nach Achszahl und Emissionsklasse – ähnlich wie das deutsche Toll-Collect-System.


    Praktische Tipps für Ihre Reise

    Damit Ihre Fahrt durch Deutschland und Österreich reibungslos verläuft, haben wir die wichtigsten praktischen Tipps zusammengestellt:

    Vor der Reise

    1. Vignette rechtzeitig kaufen: Erwerben Sie die österreichische Vignette mindestens 18 Tage vor Reiseantritt online oder nutzen Sie die ASFINAG-App für sofortige Gültigkeit
    2. Sondermautstrecken einplanen: Informieren Sie sich vorab über Sondermautgebühren auf Ihrer Route und kalkulieren Sie diese in Ihr Reisebudget ein
    3. Zahlungsmittel bereithalten: An Sondermautstellen werden Bargeld, Kreditkarten und teilweise auch die Videomaut akzeptiert
    4. Route prüfen: Nutzen Sie Routenplaner, die Mautkosten anzeigen, wie z.B. den ADAC Routenplaner oder ViaMichelin

    Während der Fahrt

    • Vignette korrekt anbringen: Die Klebevignette muss am linken oberen Rand der Windschutzscheibe angebracht werden – von innen gut sichtbar
    • Quittungen aufbewahren: Bewahren Sie alle Mautbelege für die gesamte Reisedauer auf
    • Geschwindigkeitsbegrenzungen beachten: In Mautbereichen gelten oft besondere Tempolimits

    Bußgelder vermeiden

    Achtung: Das Fahren ohne gültige Vignette in Österreich wird mit einer Ersatzmaut von 120 Euro (Pkw) geahndet. Im Wiederholungsfall oder bei Verweigerung der Zahlung kann ein Bußgeld von bis zu 3.000 Euro verhängt werden. Die österreichischen Behörden kontrollieren mit modernsten Kamerasystemen – die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, ist hoch!

    Zukunftsausblick: Wohin entwickeln sich die Mautsysteme?

    Beide Länder stehen vor bedeutenden Veränderungen in ihren Mautsystemen:

    Deutschland

    • Die Diskussion um eine Pkw-Maut ist nach dem EuGH-Urteil zwar verstummt, könnte aber im Rahmen einer EU-weiten Lösung wieder aufkommen
    • Die CO₂-Komponente in der Lkw-Maut wird voraussichtlich weiter steigen, um den Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge zu beschleunigen
    • Eine mögliche Ausweitung auf Lieferfahrzeuge unter 3,5 Tonnen wird diskutiert

    Österreich

    • Die Digitalisierung schreitet voran – langfristig könnte die Klebevignette komplett durch die digitale Version ersetzt werden
    • Dynamische Mautmodelle, die Verkehrsaufkommen und Tageszeit berücksichtigen, werden erforscht
    • Eine stärkere Verknüpfung mit Umweltzielen ist geplant, etwa durch Rabatte für emissionsarme Fahrzeuge

    Fazit: Gut vorbereitet spart Geld und Nerven

    Die Mautsysteme in Deutschland und Österreich könnten unterschiedlicher kaum sein. Während Deutschland Pkw-Fahrern freie Fahrt gewährt und sich auf die Lkw-Maut konzentriert, müssen in Österreich alle Fahrzeuge für die Autobahnnutzung bezahlen. Für Reisende bedeutet das: Vorbereitung ist alles.

    Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick:

    • In Deutschland zahlen Pkw-Fahrer keine Maut – Lkw ab 3,5 Tonnen hingegen schon
    • In Österreich ist die Vignette Pflicht für alle Fahrzeuge auf Autobahnen und Schnellstraßen
    • Sondermautstrecken in Österreich verursachen zusätzliche Kosten, die oft vergessen werden
    • Die digitale Vignette bietet maximalen Komfort, erfordert aber Vorlaufzeit beim Online-Kauf
    • Bußgelder für Mautverstöße sind empfindlich hoch – informieren Sie sich rechtzeitig

Jetzt informiert losfahren!

Planen Sie Ihre nächste Reise durch Deutschland und Österreich? Dann nutzen Sie unsere weiteren Ratgeber zu Mautsystemen in Europa, um auch für andere Länder bestens vorbereitet zu sein. Teilen Sie diesen Artikel mit Freunden und Familie, die ebenfalls von diesen Informationen profitieren können – denn gut informiert reist es sich einfach besser!

Haben Sie Fragen zu den Mautsystemen oder eigene Erfahrungen zu teilen? Hinterlassen Sie uns einen Kommentar – wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen!

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