Sondermautstrecken in den Alpen: Tunnel, Pässe und Sondergebühren im Detail
Markus Brandstätter
27 Juni 2026
Sondermautstrecken in den Alpen: Tunnel, Pässe und Sondergebühren im Detail
Wer mit dem Auto durch die Alpen reist, kennt das Thema: Neben der regulären Vignette für Autobahnen und Schnellstraßen gibt es zahlreiche Sondermautstrecken, die zusätzliche Gebühren erfordern. Ob Brennerautobahn, Tauernautobahn, Arlbergtunnel oder Felbertauernstraße – die Liste ist lang und die Kosten können sich schnell summieren. In diesem umfassenden Ratgeber erhalten Sie einen vollständigen Überblick über alle wichtigen Sondermautstrecken in Österreich und den angrenzenden Alpenländern, aktuelle Preise, Zahlungsmöglichkeiten und wertvolle Tipps für Ihre Routenplanung.
Warum gibt es Sondermautstrecken?
Sondermautstrecken existieren vor allem dort, wo der Bau und die Instandhaltung der Infrastruktur besonders aufwendig und kostspielig sind. Lange Tunnel, Brücken in extremer Höhenlage und Passstraßen durch hochalpines Gelände erfordern enorme Investitionen. Die Sondermaut dient dazu, diese Kosten zu decken und den laufenden Betrieb – einschließlich Sicherheitseinrichtungen, Belüftung, Winterdienst und Sanierungsarbeiten – zu finanzieren.
Wichtig: Die Sondermaut fällt zusätzlich zur regulären Vignettenpflicht an. Eine gültige Vignette allein reicht auf diesen Strecken nicht aus!
Die Betreiber dieser Strecken sind in der Regel Sondergesellschaften wie die ASFINAG oder private Betreibergesellschaften, die vom Staat mit dem Bau und Betrieb beauftragt wurden.
Die wichtigsten Sondermautstrecken in Österreich
Österreich ist das Land mit den meisten Sondermautstrecken im Alpenraum. Hier ein detaillierter Überblick über die bedeutendsten Strecken:
1. Brennerautobahn (A13)
Die Brennerautobahn ist eine der meistbefahrenen Transitrouten über die Alpen und verbindet Innsbruck mit der italienischen Grenze am Brennerpass. Sie ist für den gesamten Güter- und Personenverkehr zwischen Nord- und Südeuropa von zentraler Bedeutung.
- Strecke: Innsbruck – Brennerpass (Staatsgrenze Italien)
- Länge: ca. 35 km
- PKW-Maut (einfache Fahrt): ca. 11,00 €
- Zahlungsmöglichkeiten: Bargeld, Kreditkarte, Videomaut, GO-Box
- Besonderheit: Auf italienischer Seite schließt sich die mautpflichtige Autostrada del Brennero (A22) an
- Tauerntunnel: ca. 6,4 km lang
- Katschbergtunnel: ca. 5,9 km lang
- PKW-Maut (einfache Fahrt, beide Tunnel): ca. 13,50 €
- Hin- und Rückfahrt (gültig für die Rückreise innerhalb eines Jahres): ca. 23,00 €
- Zahlungsmöglichkeiten: Bargeld, Kreditkarte, Videomaut, GO-Box
- Strecke: St. Jakob am Arlberg – Langen am Arlberg
- Länge: ca. 13,97 km
- PKW-Maut (einfache Fahrt): ca. 11,00 €
- Zahlungsmöglichkeiten: Bargeld, Kreditkarte, Videomaut, GO-Box
- Besonderheit: Im Sommer kann alternativ der Arlbergpass (kostenlos) befahren werden
- Länge: ca. 7,9 km
- PKW-Maut (einfache Fahrt): ca. 7,90 €
- Besonderheit: Die Maut wird nur in Fahrtrichtung Slowenien erhoben; die Rückfahrt nach Österreich ist mautfrei
- Bosrucktunnel: ca. 5,5 km
- Gleinalmtunnel: ca. 8,3 km
- PKW-Maut (einfache Fahrt, beide Tunnel): ca. 11,50 €
- Hin- und Rückfahrt: ca. 19,50 €
- Länge: ca. 36 km (davon 5,2 km Tunnel)
- PKW-Maut (einfache Fahrt): ca. 12,00 €
- Besonderheit: Beliebte Alternative zur Tauernautobahn für Reisende nach Osttirol und Südtirol
- Großer St. Bernhard Tunnel: ca. 34,00 CHF (einfache Fahrt PKW)
- Munt la Schera Tunnel: ca. 26,00 CHF
- Hinweis: In der Schweiz gilt zusätzlich die Vignettenpflicht (40 CHF/Jahr)
- Mont-Blanc-Tunnel: ca. 49,40 € (einfache Fahrt PKW)
- Fréjus-Tunnel: ca. 49,40 € (einfache Fahrt PKW)
- Mautautobahnen: Streckenbezogene Maut auf fast allen Autobahnen
- Mont-Blanc-Tunnel (französische Seite): identische Preise wie italienische Seite
- Fréjus-Tunnel (französische Seite): identische Preise
- Autoroutes: Streckenbezogene Maut
- Vorteile: Kein Anhalten an der Mautstation, keine Wartezeiten
- Buchung: Online über die ASFINAG-Website oder App
- Gültigkeit: Je nach Strecke unterschiedlich (meist 1-14 Tage)
- Statt Arlbergtunnel → Arlbergpass (nur im Sommer)
- Statt Brennerautobahn → Brenner-Bundesstraße (B182)
- Statt Tauernautobahn → Großglockner Hochalpenstraße (ebenfalls mautpflichtig, aber ein Erlebnis!)
Tipp: Wer die Brennermaut sparen möchte, kann über die alte Brenner-Bundesstraße (B182) fahren. Allerdings ist diese Route deutlich langsamer und bei starkem Verkehr nicht empfehlenswert.
2. Tauernautobahn (A10) – Tauern- und Katschbergtunnel
Die Tauernautobahn verbindet Salzburg mit Villach und ist die wichtigste Nord-Süd-Verbindung im Westen Österreichs. Auf dieser Strecke befinden sich zwei mautpflichtige Tunnel:
Spartipp: Kaufen Sie direkt das Hin- und Rückfahrtticket, wenn Sie die gleiche Strecke zurückfahren. Das spart gegenüber zwei Einzeltickets bares Geld!
3. Arlbergtunnel (S16)
Der Arlbergtunnel verbindet Tirol mit Vorarlberg und ist mit knapp 14 km Länge einer der längsten Straßentunnel Österreichs. Er ist besonders im Winter eine unverzichtbare Verbindung, wenn der Arlbergpass gesperrt ist.
4. Karawankentunnel (A11)
Der Karawankentunnel verbindet Österreich (Kärnten) mit Slowenien und ist eine wichtige Transitstrecke Richtung Südosteuropa.
5. Pyhrn Autobahn (A9) – Bosruck- und Gleinalmtunnel
Die Pyhrn Autobahn verbindet Oberösterreich mit der Steiermark und umfasst zwei mautpflichtige Tunnel:
6. Felbertauernstraße
Die Felbertauernstraße ist eine Besonderheit, da sie keine Autobahn ist, sondern eine mautpflichtige Passstraße durch die Hohen Tauern. Sie verbindet Mittersill (Salzburg) mit Matrei in Osttirol.
Sondermautstrecken in den Nachbarländern
Auch in den angrenzenden Alpenländern gibt es zahlreiche mautpflichtige Tunnel und Passstraßen:
Schweiz
Italien
Frankreich
Hinweis: Die genannten Preise sind Richtwerte und können sich jährlich ändern. Prüfen Sie vor Reiseantritt immer die aktuellen Tarife auf den offiziellen Websites der Betreiber.
Zahlungsmöglichkeiten und digitale Lösungen
Die Zeiten, in denen man ausschließlich an der Mautstation bar bezahlen konnte, sind vorbei. Heute stehen Ihnen verschiedene moderne Zahlungsmethoden zur Verfügung:
Bargeld und Kreditkarte
An den meisten Mautstationen können Sie weiterhin mit Bargeld (Euro) oder Kreditkarte bezahlen. Beachten Sie jedoch, dass es an einigen Stationen zu Wartezeiten kommen kann, besonders in der Hauptreisezeit.
Videomaut (Digitale Streckenmaut)
Die Videomaut ist eine bequeme Möglichkeit, die Sondermaut vorab online zu bezahlen. Dabei wird Ihr Kennzeichen registriert und bei der Durchfahrt automatisch per Kamera erfasst.
GO-Box (für Vielfahrer)
Die GO-Box ist ein elektronisches Mautgerät, das vor allem für LKW verpflichtend ist, aber auch von PKW-Fahrern genutzt werden kann. Sie wird an der Windschutzscheibe befestigt und ermöglicht die automatische Mautabbuchung.
Praktische Tipps für Ihre Routenplanung durch die Alpen
Mit der richtigen Planung können Sie bei Ihrer Alpenüberquerung Zeit und Geld sparen. Hier unsere besten Tipps:
1. Kosten vorab kalkulieren
Nutzen Sie Online-Mautrechner (z.B. von ADAC, ÖAMTC oder ASFINAG), um die Gesamtkosten Ihrer Route vorab zu berechnen. So vermeiden Sie böse Überraschungen.
2. Alternativrouten prüfen
Viele Sondermautstrecken haben kostenlose Alternativen über Passstraßen. Diese sind zwar langsamer und kurvenreicher, bieten aber oft spektakuläre Ausblicke:
3. Reisezeit beachten
In der Hauptreisezeit (Ferienbeginne, Wochenenden im Sommer) kann es an Mautstationen zu erheblichen Staus kommen. Planen Sie Ihre Fahrt möglichst unter der Woche oder in den frühen Morgenstunden.
4. Hin- und Rückfahrttickets nutzen
Wenn Sie die gleiche Strecke zurückfahren, lohnt sich fast immer das Hin- und Rückfahrtticket. Die Ersparnis beträgt je nach Strecke 15-30% gegenüber zwei Einzeltickets.
5. Wintersperre beachten
Viele Passstraßen sind im Winter gesperrt (typischerweise November bis Mai). In dieser Zeit sind die Tunnel oft die einzige Möglichkeit, die Alpen zu überqueren. Informieren Sie sich vorab über aktuelle Straßensperren.
Übersichtstabelle: Die wichtigsten Sondermautstrecken auf einen Blick
| Strecke | PKW einfach | PKW hin/rück | Länge |
|—|—|—|—|
| Brennerautobahn (A13) | ca. 11,00 € | ca. 18,00 € | 35 km |
| Tauernautobahn (A10) | ca. 13,50 € | ca. 23,00 € | 12,3 km (Tunnel) |
| Arlbergtunnel (S16) | ca. 11,00 € | ca. 18,00 € | 14 km |
| Karawankentunnel (A11) | ca. 7,90 € | – | 7,9 km |
| Pyhrn Autobahn (A9) | ca. 11,50 € | ca. 19,50 € | 13,8 km (Tunnel) |
| Felbertauernstraße | ca. 12,00 € | ca. 20,00 € | 36 km |
Alle Preise sind Richtwerte (Stand 2024) und können sich ändern.
Fazit: Gut vorbereitet durch die Alpen
Die Sondermautstrecken in den Alpen sind ein wichtiger Kostenfaktor bei jeder Alpenüberquerung. Mit der richtigen Vorbereitung und Routenplanung können Sie jedoch unnötige Ausgaben vermeiden und Ihre Reise optimal gestalten. Nutzen Sie digitale Zahlungsmöglichkeiten wie die Videomaut, um Wartezeiten zu minimieren, und prüfen Sie immer, ob ein Hin- und Rückfahrtticket günstiger ist.
Denken Sie daran: Die Alpen bieten nicht nur Mautstationen, sondern auch atemberaubende Landschaften. Manchmal lohnt es sich, die Autobahn zu verlassen und eine Passstraße zu nehmen – nicht nur wegen der Mautersparnis